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Zurück in die Wüste – Namibia Teil 1

Wir sitzen im Mittelgang, das Flugzeug bereits im Sinkflug. Links von mir kann ich durch eines der kleinen Fenster sehen, wie die Sonne langsam aufgeht. Rot, gelb, gold schimmert der Himmel. Steht in Flammen. Unten drunter nichts außer Trockenheit und Wüste. Und ich sitze einfach nur da. Mein Herz klopft so fest, dass ich glaube, jeder kann es hören. Den Blick fest auf das kleine Fenster gebannt. Ich kann’s nicht glauben. Namibia.

Vier Jahre sind inzwischen vergangen. Ich habe meinen Bachelor gemacht, weiter studiert. Meinen Master abgeschlossen. Bin ausgezogen, wieder eingezogen. Wir gründen. Ich bin weiter gereist, in die Ferne und in die Nähe. Habe neue Menschen kennen gelernt, viele alte Freunde behalten. Bin weiter in mir gefestigt, habe gezweifelt, zweifele immer noch. Aber bin glücklich. Zufrieden. Wie sah das vor vier Jahren eigentlich aus?

Vor vier Jahren saß ich auch im Flugzeug. Verwirrt. Aufgebracht. Mit rot geweinten Augen. Gebrochenem Herz. Auf der Flucht. Vor mir selbst, anderen Menschen und Gefühlen, auf die ich keine Antworten hatte. Wenn ich heute an das Mädchen zurück denke, bin ich einfach nur froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Das mir meine Eltern diese Möglichkeit damals gegeben haben. In die Ferne zu reisen. Mich selbst zu finden. Mich selbst zu heilen. Mir selbst zu zeigen, dass ich genug bin. Manchmal weiß man gar nicht was man sucht, aber dann findet man es. Einfach so. In sich selbst. Vielleicht weil es die ganze Zeit da war, aber der Lärm der Stadt und der Einfluss der Menschen es versteckt haben. Namibia jedenfalls hat mich frei gepustet, meinen Kopf wieder klar gemacht, mir gezeigt, was wichtig ist und was nicht. Mich durchgeschüttelt und angeschrien. Mir Angst gemacht und mich glücklich gemacht. Von allem ein bisschen.

Ich möchte meinen Eltern etwas davon zurück geben, was sie mir damals geschenkt haben. Was ich damals erlebt habe durch ihre Unterstützung. Diesmal habe ich also andere Zweifel. Wird es ihnen gefallen? Wird auch sie der Zauber erreichen? Oder wird es zu viel sein? Habe ich sie zu etwas überzeugt, was für sie am Ende alles andere als schön wird? Die Last auf meinen Schultern ist dieses Mal also eine Andere. Und trotzdem sitze ich wieder hier in diesem Flugzeug, zweifelnd und frage mich was das mit mir und Namibia eigentlich ist. Was haben wir nur, dass ich hier immer mit solchen Zweifeln lande? Namibia, ich glaube du musst mir mal wieder den Kopf frei pusten. Es ist allerhöchste Zeit!

Wir landen in Windhoek. Der Flughafen ist klein, ich habe ihn noch kleiner in Erinnerung. Eine Ankunftshalle, Kofferband, danach zwei drei Shops. Thats it. Die Uhr zeigt gerade mal 6 an, als wir mit den anderen Reisenden aus der Halle heraus Richtung Laden & Autoverleih gehen. Dann heißt es sowieso erstmal warten. Weil das hier eben nicht Deutschland ist. Überall dafür Lächeln. Gute Laune. Selbst um diese Uhrzeit.

Dann sitzen wir in unserem Auto. Ich am Steuer. Sprachlos immer noch, weil ich hier bin. Kaum geschlafen. Mein Gehirn bekommt all die Emotionen nicht zusammen. Ich bin wieder hier. Wirklich? Meine Eltern schauen staunend ans den Fenstern. Ich fahre auf der linken Straßenseite als wäre ich nie weg gewesen. Alles ist so bekannt und fremd. Am Horizont taucht Windhoek auf. Sonst nichts. Viel Weite, viel Staub. Immerhin Teerstraße. Die letzte für eine Weile, muss ich schmunzelnd denken. Dann der Roadblock. Ernste Gesichter, meine Eltern etwas eingeschüchtert. Auch das ist Namibia.

Keine zwanzig Minuten später befinden wir uns mitten im morgendlichen Stadtchaos Windhoek. Überall Autos, Menschen, ein paar klapprige alte Busse. LKW’s. Aber vor allem Menschen. Raus aus dem geordneten Deutschland, rein in eine andere Welt. Ich fahre den Weg, den ich schon tausend Mal gefahren bin und verfahre mich trotzdem. Irgendwie sah das in meiner Erinnerung anders aus. Links, rechts, links? Oder doch nicht? Mit Navi schaffen wir es dann doch noch an unser Ziel. Den Ort, an dem ich drei Monate gelebt habe. Mein zu Hause auf Zeit. Ein zu Hause so weit weg von zu Hause. Und trotzdem immer noch unglaublich vertraut. Ich lasse mich aufs Bett fallen. Kanns immer noch nicht glauben. Es ist als wäre ich nie weg gewesen. Ich will weinen. Und mich freuen. Schreien, dass ich wieder hier bin. Fühle in meinem Herzen ein Stückchen an seinen Platz rutschen, das lange leer war. Ganz klein aber trotzdem da.

Ich bin zurück.

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