Wir sagen auf Wiedersehen.

Das ist es also. Kaum zu glauben oder? Die letzten fünf Wochen sind wie im Flug an uns vorbei gerast und auf einmal steht er vor der Tür und lässt sich nicht mehr loswerden: der Abschied. Es heißt ein allerletztes Mal auf dieser Reise Rucksack packen, in ein Transportmittel steigen und ab zum Flughafen. Tschüss Bali, Tschüss Indonesien und Tschüss Asien.

Aber vorher wollen wir es noch einmal so richtig krachen lassen. (merkt euch diese Aussage, sie macht im Verlauf der Geschichte, die jetzt folgt, Sinn.) Unser Plan ist folgender: ein richtig geiles Haus für die letzten zwei Tage irgendwo mitten im Nirgendwo mieten! Also ab auf Airbnb und check! Da ist es schon. Pool, Küche, Balkon, Schlafzimmer mit Himmelbett. Ja doch, kann man machen!
Kosten? 30 Euro für zusammen zwei bis vier Personen. Airbnb kann sich wirklich lohnen 🙂
Also den Besitzer angefragt, positive Rückmeldung bekommen und schon am nächsten Tag packen wir unsere Taschen und lassen uns am späten Nachmittag zu ausgeschriebener Adresse fahren. Ich glaube was Maps angeht, liegt ein Fluch auf Bali, denn wieder landen wir falsch. Ratlos stehen wir in einem schulterhohen Reisfeld, weit und breit kein Mensch zu sehen und nur ein paar Häuser am Feldrand. Eines davon muss doch unser Häuschen sein oder? Das denkt sich jedenfalls Rafi und zack ist er auch schon im Feld verschwunden. Ab und zu sehe ich mal einen blonden Schopf zwischen dem Reis hervor hüpfen bis er zu den Häusern gelangt. Aber was jetzt? Einfach so in einen Garten hüpfen und mal Hallo sagen? Rafi jedenfalls scheint unser gemietetes Haus zu erkennen, vom Besitzer fehlt allerdings jede Spur. Kein Wunder, inzwischen ist es schon über eine Stunde nach unserem verabredeten Zeitpunkt (erinnert euch das auch irgendwie an unseren Anfang in Taiwan? Ein würdiges Finale unserer Reise 😀 ). Also schwingt sich der Herr gekonnt über die Gartenmauer und dann ist außer einem lauten Krachen, das an zersplitterndes Holz erinnert, längere Zeit erst einmal absolut nichts mehr zu hören.
Ich stehe also da immer noch mit unserem kompletten Gepäck und den Wertsachen mitten im Feld, höre das Geräusch und denke mir: oh Shit! “Rafi???! Alles okaaaay?”
….
“Geht so.”
….
Ungefähr zehn Minuten später humpelt mir Rafi aus dem Feld entgegen, um das Schienbein eine blutige Socke gebunden. Er hat unsere Unterkunft gefunden und auf der anderen Seite der Gartenmauer befindet sich eine tiefere Aushöhlung, damit Wasser ablaufen kann. Darüber ist eine dünne Holzspanplatte gelegt, die jetzt den Abdruck von Rafis Landung aufweist.

Mit Sack und Pack hiefen wir uns ein zweites Mal über die Mauer, diesmal etwas vorsichtiger und stehen ziemlich ratlos im Garten. Ich mein, der Garten ist echt schön und wir könnten immerhin im Pool baden gehen aber irgendwie ist die ganze Situation nicht so geil. Rafi blutet, die Wunde scheint ziemlich tief zu sein und so machen wir uns als erstes dran, sie zu verarzten. Fast hätten wir das Verbandszeug unverrichteter Dinge wieder mit nach Deutschland genommen. Aber das konnte der Herr wohl nicht mit sich vereinbaren. Ich habe wirklich keine Probleme mit Blut, aber der tiefe, klaffende Schlitz im Schienbein aus dem es mir dunkelrot entgegen sickert, macht mich dann doch kurz etwas schwummrig. Tief durchatmen und die letzten Splitter raus holen.

Nach getaner Arbeit sehen wir, dass wir immerhin ein Nachbarhaus haben, aus dem Licht scheint. Und dann tun wir etwas, was ich ungerne nochmal tun möchte in meinem Leben. Soweit das möglich ist! Wir rufen um Hilfe.

Kurz gefasst: unsere Nachbarn haben die Nummer von dem Vermieter und kurze Zeit später können wir endlich auch unsere Unterkunft von innen anschauen.

Die nächsten zwei Tage bis zu unserem Abflug verbringen wir im Garten und auf dem Balkon, genießen ein letztes mal die balinesische Sonne, beobachten Rafis Wunde akribisch genau beim Verheilen, plantschen im Pool (Rafi mit halbem Körper, Bein immer schön draußen geparkt) und erleben sogar eine Reisernte direkt vor unserem Fenster.

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Ja, die letzten Tage hier auf Bali haben wir uns doch etwas anders vorgestellt. Ein rundes Ding kann man das wirklich nicht nennen. Aber wann ist Backpacking schon mal rund? Oder genau so wie man sich das vorstellt?

Ihr habt mit uns zusammen die letzten fünf Wochen unserer Reise miterlebt, alle Höhen und Tiefen. Unsere ersten Gehversuche in Südostasien, der Jetlag und die Hitze. Aber auch die unfassbar schönen Begegnungen, die tollen Menschen und die Orte, die wir in den letzten Wochen besuchen durften. Da gab es beeindruckende Tempel, kleine Straßengassen, vollgequetscht mit Menschen, pulsierende Hitze vom Asphalt, fremdes Essen, türkise Strände, kühle Meeresluft, sternenklare Sommernächte, neue Sprachen und so viel mehr zu bestaunen. Plastikeimer aus denen Alkohol konsumiert wird, Rollerchaos, mit vier Menschen auf einem einzigen Gefährt, Geschäfte und Restaurants, vor denen man die Schuhe auszieht, seltsame Kokosnüsse, riesige Spinnen und bunte Fische. Südostasien, du warst der Wahnsinn. Verrückt, manchmal laut, manchmal ganz leise. Heiß auf jeden Fall, echt lecker, ab und zu verdammt scharf und in jedem Fall wunderschön!

Rafi und ich sind in den letzten fünf Wochen zusammen gewachsen. Nicht nur als Partner sondern auch als Freunde. Reisen öffnet nicht nur die Augen für neue Kulturen und fremde Orte, sondern auch das Herz.
Ich habe gelernt, dass ich mich auf meinen Freund verlassen kann. Auf seinen kühlen Kopf in Situationen, in denen viele andere durchgedreht wären. Auf seine Geduld mit mir. Auf seine Wärme und unsere Beziehung. Wir sind nicht perfekt, nicht als Menschen und nicht in unserem Verhalten zu einander. Und wisst ihr was?
Das ist verdammt gut so 🙂 Leben heißt lernen. Wachsen. Das gilt für jeden einzelnen und auch für Beziehungen. Ganz ehrlich? Wer will schon Stillstand?

Danke, dass ihr uns so lange begleitet habt, mit gelacht, geschmunzelt und vielleicht auch mal etwas erschrocken wart.
Die Reise ist zwar vorbei, aber hier ist trotzdem nicht Schluss.
Also bleibt schön weiter dran 😉
Es wird sicher nicht langweilig.
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