Serfaus, meine große Liebe

Gut die Hälfte meines genetischen Bauplans besteht aus bayrischem Grundmaterial. Das merkt man jetzt nicht besonders an einem Dialekt, jodeln kann ich auch nicht und wandern hat mir schon als Kind nicht besonders viel Freude bereitet. Vielleicht auch gerade als Kind.
Dafür haben zwei Sachen besonders gut durchgeschlagen: Meine Vorliebe für Brezen & Skifahren.

Seit ich denken kann, fahren wir jedes Jahr zum Familienskiurlaub in die Berge.
Und seit ich denken kann ist das Ziel praktisch jedes Jahr Serfaus. Ich weiß nicht, ob es mein Papa nicht berreut, dass er direkt am Anfang meiner Skikarriere Serfaus gefunden hat, jedenfalls haben meine Mama und ich uns danach jährlich für unsere zweite Heimat eingesetzt.

Kein Ort hat mich so konstant durch mein Leben begleitet.
Hier habe ich meine ersten Schwünge gelernt.
Das erste Skirennen absolviert.

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und bin sicher auch das erste Mal so richtig auf der Nase im Schnee gelandet.
Ich kenne jede Abfahrt, jede Seilbahn und praktisch jeden Laden im Ort.

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Auch Serfaus hat sich mit den Jahren verändert. Ist größer, moderner, bunter und vielseitiger geworden. Kinderfreundlicher vor allem. Es gibt jetzt Förderbänder auf den Pisten, die alten Schlepper, vor (und in) denen wir noch gezittert haben, wurden durch moderne Popobeheizte Seilbahnen ersetzt. Dabei mussten auch einige, schöne steile Pisten drauf gehen. Einiges wurde entschärft.
Meine größten Angstpisten von früher gibt es heute gar nicht mehr.

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Es ist spannend zu sehen, wie sich ein Skiort in den letzten 15 Jahren verändert hat. Was neu dazu gekommen ist, was auf der anderen Seite aber auch all die Jahre hindurch erhalten geblieben ist. Was Serfaus für mich so schön macht ist die Tatsache, dass es kein Durchfahrtsort ist. Hier oben ist Schluss. Mit Straßen & Autos. Denn im ganzen Ort herrscht Autofahrverbot. Eine U-Bahn fährt hält an vier verschiedenen Stationen und kutschiert die Gäste umsonst von A nach B. Und bis zur Seilbahnendstation.
Serfaus ist kein reiner Touristenort, es gibt eine Grundschule und viele Familienbetriebe.

Manchmal fühlt es sich fast etwas seltsam an, durch den Ort zu laufen. Es gibt Ecken, an denen sehe ich mich selbst als kleinen Zwerg mit Papa im Schnee toben. Ein paar Meter weiter läuft mir ein junges Mädchen mit ihrer besten Freundin eingehakt über den Weg, sie tuscheln und kichern.

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Das Mädchen wird älter, die Bilder verschwimmen und auf einmal stehe ich vor mir selbst. Schaue in ein Spiegelbild, zusammengesetzt aus 15 Jahren. Da wird mir klar, so viel sich auch geändert haben mag:es gibt Dinge, die haben sich hier oben nicht verändert. Der Wert einer Familie, Vertrauen, Nähe, Ehrlichkeit und Mut. Für einander da sein. Sich gegenseitig Mut machen. Auffangen und zum Lachen bringen. Schutz gegen wildes Wetter und Stürme bieten. Letztendlich: da sein.

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