Mehr Meer bitte!

Ich bin ehrlich zu euch- keine zwei Tage länger hat es uns in Havanna gehalten. Alles war irgendwie zu überfüllt, heiß und beengend. Manchmal muss man einfach weiter ziehen, wenn das Grundgefühl nicht stimmt.

Noch am letzten Abend in Havanna zeigen sich bei mir erste Erkältungssymptome, kein Wunder wenn man zwischen schockgefrosteten Restaurants und Läden & der Hitze draußen hin und her pendelt. Das Phänomen hat vermutlich jeder Vielreiser schon öfter erlebt, je heißer die Länder desto mehr Eiszapfen hängen an den Decken in den Gebäuden.

Inclusive fettem Schnupfen geht es also am nächsten Tag dann mit dem Busunternehmen Viazul Richtung Varadero. Die Unterkunft dort haben wir über einen Studiumsfreund organisiert bekommen, dessen Schwester mit dem Sohn der Familie verheiratet ist. Lange Rede, kurzer Sinn: wir fühlen uns direkt zu Hause! Während der Großteil der Familie selbst in Deutschland ist, hüten Mariella mit ihren zwei Töchtern und Gabriel das Haus. Mariella arbeitet hier, kümmert sich um die Zimmer und das Frühstück und ist für uns das Herz des Hauses. Sie lacht, strahlt, selbst wenn es noch so stressig wird und jeden Morgen versorgt sie uns mit so viel guter Laune und Essen, dass wir meist zurück ins Zimmer rollen. Unser Spanisch ist katastrophal, sie spricht kein Englisch und so lernen wir mit jedem Tag neue Vokabeln, unser Spanisch wird mehr und mehr Alltagstauglich.

Unsere Unterkunft liegt nicht nur im Herzen Varaderos sondern auch praktisch direkt am Meer, also machen wir am Abend noch einen ausgedehnten Spaziergang am Strand und lassen den Abend bei Paella und kubanischer Livemusik ausklingen.

Während Rafi die Kühle des Abends genießt, stellt sich bei mir allerdings noch keine richtige Entspannung ein. Die Nase läuft, der Kopf tut weh und schlapp bin ich auch.

Und so passiert am nächsten Tag dann, was irgendwie schon zu vermuten war: ich fiebere. Und das nicht zu wenig. Ich weiß nicht, wer mir im Nachhinein mehr Leid tut. Rafi, der gefühlte zehn Liter Wasser in unsere Unterkunft schleppen muss, weil seine Freundin mehr säuft als ein Pferd oder ich, die bei knackigen 36 Grad Außentemperatur mit Fieber im erhitzten Dachgeschosszimmer liegt.

Ja Reisen verbindet. Es ist schön, gemeinsam am Strand zu liegen, mit einem kühlen Bierchen in der Hand und der Sonne dabei zuzusehen, wie sie in allen möglichen Rotschattierungen untergeht. Aber vor allem verbinden Momente, in denen man sich gegenseitig stützt. Oder zusammen Mist baut. Beides Möglich 😀

Nach einem laaaaangen Fiebertag (was macht man bitte im Bett, wenn es kein Internet gibt, um eine Serie zu schauen und auch nichts zum Lesen, weil kein Lesematerial weit und breit verfügbar ist!!) geht die Temperatur dann zum Glück am nächsten Tag langsam runter. Und wie ich halt so bin, halte ich es dann auch keine zwei Minuten mehr im Zimmer aus und starte Richtung Strand. DIE Idee des Urlaubs.

In summing up: zwei Stunden später liege ich, kochend heiß, mit über 39 Grad Temperatur im Bett und muss zugeben, dass Geduld oder Vernunft nicht zu meinen herausragendsten Eigenschaften gehören. Ich fange an, die Welt nur noch gedämpft wahrzunehmen, der Kopf ist zu und die Augen brennen. Das Fieber steigt weiter und die Überlegung eines Arztbesuches steht im Raum. An dieser Stelle muss ich jetzt etwas in der Zeit reisen, denn ich möchte jedem raten, in einer solchen Situation zum Arzt zu gehen. Spätestens wenn Schwindel und Ohrenschmerzen dazu kommen. Wir haben es nicht getan und noch knapp zwei Wochen später konnte ich die Nachwirkungen der Krankheit spüren. Mein Arzt hat mir dann in Deutschland erklärt, dass ich auch einen herben Hörverlust hätte erleiden können… Also bitte seid schlauer als wir 😀 Und riskiert nichts, wenn es um die Gesundheit geht!

Rafi entpuppt sich jedenfalls als bester Krankenbruder ever! Mit viel Geduld und Wadenwickeln bekämpft er das Fieber, beruhigt mich, käuft ein, kocht Essen, beschäftigt mich. Wir rollen kalte Coladosen über meinen erhitzten Körper und mit einem Waschlappen wird die Stirn gekühlt. Wir hören Hörbücher, dösen und dann wird wieder abgekühlt. Und: nach ein paar Stunden sinkt das Fieber. Die nächsten Tage muss ich weiter das Bett hüten, knapp eine Woche vergeht, bis ich wieder richtig auf den Beinen bin.

Dann allerdings zeigt sich Varadero in all seiner Vielfalt und Pracht. Wir besuchen eine Cenote und schwimmen mit Fledermäusen im Dunkeln, fahren Roller durch ein Tropengewitter, gehen am Strand spazieren, düsen kreuz und quer durch den Ort,

mampfen viel Reis mit schwarzen Bohnen und genießen vor allem die frische Meerluft. Unsere Varaderofamilie in der Unterkunft haben wir inzwischen so lieb gewonnen, dass wir beschließen noch eine halbe Woche hier zu bleiben. Spontan schmeißen wir alle weiteren Reisepläne für andere Städte über Bord. So lernen wir Land und Leute erst richtig kennen. An jeder Ecke erkennen wir irgendwann bekannte Gesichter: Elvis, unser Scooterkeeper am Strand mit den schiefen Zähnen und dem lauten Lachen, Mariella die Herrin des Hauses, Gabriel, Milena und und und. Immer wieder vertraute Augen, ein Lieblingsrestaurant und viel Rollerfreiheit. Entschleunigung ist das Stichwort.

Und so bleiben wir tatsächlich bis kurz zu unserem Abflug in Varadero. Zwei Tage hängen wir noch in einer Hotelanlage herum, ich genieße die Auswahl an frischem Gemüse und Rafi den Endlosausschank an Bier- wir liegen am Pool und am Strand und machen uns schließlich auf den letztmöglichen Drücker wieder auf nach Havanna.

Mit dem Bus geht es zurück die Strecke und hinein in den Citysmog, diesmal allerdings in eine etwas andere Ecke der Stadt. Die Unterkunft ist gebucht über Airbnb und wir werden so unglaublich herzlich und warm aufgenommen, dass Havanna definitiv ein paar Plusspunkte gewinnt. Zenia und ihr Mann nehmen uns wie zwei verlorene Schafe auf, organisieren alles Nötige und begleiten uns sogar zum Flughafen. Dabei unterhalten wir uns über das Land, die Menschen und die momentane Situation. Ein tiefes, ehrliches und schönes Gespräch.

Letztendlich bleibt uns Kuba vor allem durch die herzenswarmen und schönen Begegnungen so in Erinnerung. Menschen, die nicht viel haben und trotzdem so viel geben, dass man sprachlos wird. Grenzenlose Hilfsbreitschaft, Freundlichkeit, besondere Begegnungen. Danke Kuba!

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