Ein Student aus Uppsalalalala

Oder eigentlich gleich mehrere. Hunderte, vielleicht sogar tausende. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen.
Mal feucht-fröhlich taumelig in den Straßen von Uppsala, auf einem Karnevalsschiff auf fast hoher See, auch mal etwas über den Durst irgendwo im Park zur lauten Uz-Uz- Musik. Laut grölend, lallend, lachend, singend.

Die meiste Zeit ist Uppsala, das habe ich mir zu mindestens sagen lassen, eine entspannt-lässige Studentenstadt. Nicht allerdings am vergangenen Wochenende, der Grund: Walpurgisnacht. Ganz unbekannt ist mir die Tradition ja eigentlich nicht, denn auch bei uns in Deutschland zieht man am 1. Mai recht früh mit einer Bollerwagengroßen Ladung Alkohol und Boombox um die Häuser und feiert den inoffiziellen Frühlingsanfang.
Uppsala allerdings bringt diese Tradition auf ein ganz anderes Level. Schon Anfang der vergangenen Woche wurde es langsam unruhig und laut in der schwedischen Universitätsstadt. Studierendenverbindungen in der ganzen Stadt fingen mit dem Umbau an und es ließ sich bereits erahnen, was da in ein paar Tagen auf uns zu kam.  Freitag dann der inoffizielle Startschuss: tiefe Basstöne wummern durch die verwinkelten Straßen, in den Systembolagets (das sind Läden, in denen man ausschließlich Alkohol kaufen kann) geht es zu wie bei Aldi vor einem verlängerten Wochenende, da werden ganze Europaletten in heimische Gefilde gesichert.

Wir ( das sind übrigens gar nicht Rafi und ich dieses Mal sondern mein Papa und ich, wir haben ja, wie man bereits weiß, einen Fable dafür in nordische Länder zu reisen) lassen uns einfach durch die Straßen treiben, fasziniert von dem wilden Getummel. Das wilde Treiben hält standhaft bis Sonntag Nachmittag an, unterbrochen von ein paar spannenden Traditionen. Sonntagmorgen zum Beispiel, da treffen sich Jung und Alt am Fluß, der durch Uppsala hindurch fließt. Der Grund? Ein „Bootrennen“ von Studierenden durch die reißende Flut, mutig hinab den Wasserfall und ins Ziel.

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Am Nachmittag dann unser persönliches Highlight. Um kurz vor 15 Uhr treffen sich vor dem großen Unigebäude oben auf einem Hügel tausende Menschen und warten gemeinsam, bis es exakt 15 Uhr schlägt. Dann werden die weißen Studentenhüte ausgepackt, in die Luft gewedelt und anschließend aufgesetzt. Vom jungen Erstsemesterstudierenden bis hin zum 90 Jährigen, der bereits seit über einem halben Jahrhundert hier her kommt, den Frühling zu begrüßen. Denn das hat hier einfach Tradition. Ab genau jetzt dürfen die Studierenden ihre weißen Mützen tragen, jetzt geht der Frühling los. Und während sich ein älterer Herr und seine Begleitung verliebt in die Augen sehen, beide mit den weißen Mützen ausgestattet, ich mich frage, ob sich die Beiden vielleicht genau an einem solchen wilden Wochenende vor vielen, vielen Jahren kennen gelernt haben und ein Männerchor in Astrid-Lindgren Manier dem Frühling Chansons entgegen trällert, da verziehen sich die letzten Wolken am Himmel, die Sonne hat sich ihren Platz am Horizont gesichert und: es wird Frühling.

 

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