Die Stadt in der Wüste

Eine Welle donnert über meinen Kopf hinweg, schwere Wassermassen drücken alles, was sich ihnen in den Weg stellt in die Tiefen und das Rauschen in den Ohren nimmt zu. Ich weiß nicht, ob ich atmen kann. Ich weiß nicht wo ich bin. Minutenlose Orientierungslosigkeit, alles ist dunkel und ich mitten drin. Ein gieriger Atemzug, zwei. Verwirrung.
Ich schlage meine Augen auf und erstmal ist da immer noch Dunkelheit. Doch langsam beginnt sich das Chaos in meinem Kopf zu lichten. Nimmt Form an. Eine weiche Bettdecke, mein alter Funkwecker, gewohnter Geruch. Zu Hause.

Die letzten zwei Monate waren beeindruckend. Beeindruckend anstrengend, beeindruckend überwältigend. Und vor allem beeindruckend einzigartig. Wir haben die Stadt in der Wüste kennen gelernt, auf Wolkenkratzer hinunter geschaut, am Bondi Beach den Jetlag auskuriert, sind in der Stadt der Hippies hängen geblieben, waren mit Glühwürmchen klettern, sind zwischen Inseln mitten im Meer Motorrad gefahren, sind in Neuseeland krank geworden, wussten nicht wohin mit uns, haben in einem heißen Fluss im Wald gebadet, durften mit Maoris tanzen und haben ein weiteres Stückchen über den Tellerrand geschaut.

Wir wollen euch ein Stückchen mitnehmen. Vielleicht dazu motivieren, sich einfach mal zu trauen. Sich zu trauen, ins kalte Wasser zu springen. Einfach mal “Ja” und “Scheiß drauf” zu sagen. Vielleicht auch einfach nur zum träumen einladen. Zum Schmunzeln. Zum Nachdenken bringen. Zum mitreisen. Gedanklich. Also lehnt euch zurück. Macht es euch gemütlich. Zeit für Abenteuer.

Unsere Reise startet in Dubai. Der Stadt in der Wüste. Eine Metropole gezeichnet von Geld. Hochhäuser kratzen an der Himmelsdecke, einer größer als der Andere aber keiner so gigantisch, so jenseits von jedem architektonisch bisher Gesehenen wie der Burj Khalifa. 828 Meter ragt der nach dem Präsidenten der vereinigten Arabischen Emirate benannte Turm in die Höhe und prägt damit das Stadtbild von Dubai. Das höchste Gebäude der Welt verrenkt Menschen seit Jahren das Genick, verfügt über 163 nutzbare Etagen und ist unter Anderem Heimat von zwei Goldautomaten, die statt Geld Goldbarren ausspucken.

Schon am Flughafen wird klar, dass Dubai alles andere als Gewöhnlich ist. Zwischen Anzugmännern, weiten Gewändern und Highheels stechen wir zwei blonden Zwerge in Jogginghose und Kaputzenpulli  unangenehm aus der Menge. Wir stolpern durch den Flughafen und zittern vor der Passkontrolle. Aus den hiesigen, verwirrenden Tiefen des Internets haben wir ein paar Tage vorher heraus gefischt, dass es bei der Einreise zu Problemen kommen kann, wenn man spezielle Medikamente, unter Anderem die Anti-Baby-Pille, mit nach Dubai nehmen möchte. Also habe ich mir von meinem Hausarzt einen “Medikamentenführerschein” ausstellen lassen, der bescheinigt, dass ich drei Pillenblister einführen darf. Lustiger Nebenfakt: Im Land Dubai selbst ist meine Pille sogar ohne Rezept käuflich erwerblich. Und trotzdem steht sie auf der “Roten Medikamentenliste”.

An der Einreisestelle jedenfalls geht dann alles unspektakulär schnell. Keine Kontrollen, keine Fragen, keine nachprüfenden Blicke. Das Gepäck kommt an, wir kriegen einen Smiley in den Pass gestempelt (Hier ist irgendein Welt-Lach-Tag oder so 😀 ) und schon stehen wir vor dem Flughafengebäude.

Dort wartet die nächste Herausforderung auf uns: ein Taxi erwischen. Die Taxis in Dubai haben verschiedene Dachfarben. Rosa steht für eine weibliche Fahrerin. Die restlichen Farbcodes kriegen wir nicht entziffert. Taxis kommen und gehen, aber irgendwie will uns entweder keiner mitnehmen (weil unser Hotel nur knapp 10 Minuten Fahrt entfernt ist) oder ist schon voll beladen. Immer wieder werden wir wo anders hingeschickt, bis sich schließlich jemand erbarmt und die zwei verwirrten Deutschen mitnimmt.

Unser Hotel liegt im alten Stadtteil von Dubai, Deira. Die Straßen sind gesäumt von 24- Stunden Supermärkten und Fast-Food-Ketten. Dazwischen verhüllte Frauen, Männer in Turban und weißen Tunikas und Unmengen an Touristen.

Wir checken ein und müssen schon in der Lobby grinsen. Laut Booking hat unser Hotel für die preiswerteste Preisklasse zwar einen sehr guten Ruf, bekommt aber immer wieder negative Kritiken wegen seinen “Zusatzetablissements”. Drei Diskotheken befinden sich im Erdgeschoss des Hotels und beschallen das Gebäude bis drei Uhr nachts mit arabischer, russischer und indischer Musik. Der Bass dröhnt tatsächlich bis hoch hinauf ins Zimmer aber Ohropax sei Dank ist das für uns kein Problem.

Die nächsten Tage vergehen in einem Rausch aus Touristenwahn, Protz und unendlichem Staunen. Wir besuchen die Dubai Mall, die das größte Einkaufszentrum der Welt ist. Neben einer Eisbahn gibt es hier auf 1,1 Millionen Quadratmetern ein Aquarium, dass Tauchausflüge (in der Mall) und Bootsfahrten (auch in der Mall) anbietet, über 1200 Geschäfte, sämtliche (teure) Modemarken dieser Welt, die größte Videowall der Welt (zu Rafis Freude) und den Zugang zum Burj Khalifa. (https://www.visitdubai.com/de/pois/dubai-mall)

Wer dem Fastfoodwahn wenigstens ein bisschen entkommen möchte und sich eventuell auch vegetarisch ernährt, dem empfehlen wir zwei “Restaurants”. In der nähe des Strandes “La Mer” befindet sich ein unscheinbares aber gemütliches Café, das Comptoir 102. (http://comptoir102.com/) Hier gibt es alles, was das Hipster-Food-Herz begehrt. Acaii-Bowls, Poached Eggs, Smoothies und Co. befriedigen die vegetarischen Gelüste.
Für einen salatigen oder acaiigen Quickstopp empfehlen wir The Acai Spot. (http://www.theacaispotcafe.com/) Mjamm!

Wenn wir nicht auf Essenssuche sind, lassen wir uns durch die Stadt treiben, laufen unfassbar viel zwischen Malls und Bahnstationen (gefühlt hat das echt die meiste Zeit in Anspruch genommen) und besuchen natürlich auch den Burj Khalifa. Der war sogar einen Tag komplett ausgebucht und so mussten wir zwei Tage im voraus reservieren! Wer also nur einen sehr kurzen Zeitslot hat, aber hier unbedingt hin möchte, sollte das im Vorhinein machen!

Spannend ist auch das öffentliche Verkehrssystem in Dubai, denn: jede Bahn verfügt über ein spezielles Frauenabteil und eine “Memberclass” für Goldcardbesitzer. Frauen können, wenn sie das möchten, im Frauenabteil fahren, dürfen sich aber auch im Männerteil aufhalten. Umgekehrt ist das verboten. Die Abteile sind allerdings nur durch eine einfache Linie getrennt, was das Ganze irgendwie etwas lustig macht. Da quetschen sich dann tausende Männer nebeneinander während die Frauen ein paar Centimeter entfernt gemütlich Platz haben. Pärchen können die “Grenzzone” perfekt nutzen und Händchen halten, während sie deutlich mehr Platz hat als er.

Dubai ist eine Stadt ohne Vergleiche. Mitten in der Wüste, geprägt von dem Verlangen, zu zeigen, was man hat und trotzdem kulturell besonders. Hier treffen Moderne auf zeitlosen Glauben. Wir sind fasziniert, beeindruckt und froh, dass wir hier einen kleinen Stopp gemacht haben.

 

Bis zum nächsten Beitrag,

Hannah & Rafael

 

Zusätzliche Informationen von den Autoren:

Hier findet hier unser Hotel:
https://www.booking.com/hotel/ae/al-sarab.de.html

Wir waren zufrieden. Es liegt nah am Airport und ist (den Preisen der Stadt entsprechend) preiswert. Die nächste Bahnstation ist nicht mal 5 Minuten Gehweg entfernt und ein Supermarkt ist direkt gegenüber. Deira liegt außerhalb des Citycenters und ist damit etwas ruhiger.

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