Die Ritter von Carcassonne& Nîmes – Meine Tour de France Part 7

Es regnet immer noch kleine, fiese Bindfäden, als wir am Morgen unser Auto packen& dem Hostel irgendwo im Nirgendwo Leb wohl sagen.
Hier hält uns wirklich nichts.
Wir entschließen uns dazu, wenigstens einmal durch Toulouse soweit wie möglich durch zu fahren, um auch etwas von der Innenstadt gesehen zu haben.
Ich glaube, hätten wir ein deutlich zentraleres Hostel gehabt & wären nicht ganz so erschlagen von den letzten Tagen gewesen,
dann hätte mir die Stadt sogar richtig gut gefallen.
Vielleicht.
Unser  Etappenziel für die nächsten zwei Tage hätte eigentlich Montpellier heißen sollen. Da wir allerdings zu faul waren, schon ein Hostel raus zu suchen,
sitzen wir jetzt etwas in der Tinte, als nicht einmal mehr die Jugendherberge einen Platz für uns frei hat. Gibt es vielleicht einen Stall irgendwo außerhalb der Stadt, in dem wir schlafen können?
Ah warte… das war ne andere Story 😀 Wir rufen also noch während wir in Toulouse sind Jugendherbergen rund um Montpellier an und haben Glück, in Nîmes finden wir ein Schlafplätzchen.

Fast auf unserem Weg nach Nîmes liegt Carcassonne. Das gleichnamige Kinderspiel liegt bei uns irgendwo im Keller und ich möchte unbedingt wissen, wie die Stadt in Wirklichkeit aussieht.
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Inmitten alter Stadtmauern liegt das Zentrum von Carcassonne. Die Sonne scheint, viele Menschen haben es sich in den kleinen Cafés auf dem Marktplatz gemütlich gemacht, ein Brunnen plätschert vor sich.
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Nach dem Nieselregenwetter der letzten Tage fühlt sich dieser Wetterumschwung und die angenehme Athmosphäre der Stadt an, als wäre alles plötzlich wieder viel einfacher und klarer.
Das Tief aus Toulouse ist vergessen und wir tanken neue Energie.
Ich glaub, das ist eine Erfahrung, die jeder auf seiner Reise machen muss: egal ob man nur ein paar Wochen oder mehrere Monate unterwegs ist, es wird immer hier und dort ein Tief geben.
Wichtig ist, dass man sich wieder berappelt. Reisen (zu mindest backpacking, Roadtrips usw.) ist nicht immer einfach und stressfrei. Diese ganzen Bilder von Mädels, die lachend auf dem Autodach ihre Haare im Wind fliegen lassen oder am Strand die Füße in den Sand stecken… das ist eine klitzekleine Seite davon.
Nasse Zelte, klamme, muffelnde Klamotten, immer wieder das selbe Essen, dreckiges Geschirr, unerwartete Ereignisse, Abschiede… und auch das ist wieder nur ein kleiner Teil vom großen Ganzen. Jedes neue Ziel, jede Stadt, jedes Land, jeder Kontinent bietet seine ganz eigenen Herausforderungen. Genauso wie jede Art des Reisens.

Carcassonne jedenfalls hat uns wieder neue Motivation gegeben und so fliegen wir praktisch die letzten Stunden nach Nîmes.
Dort angekommen haben wir leider keine Adresse von der Jugendherberge (jaja… Organisation ist manchmal noch so eine Sache) also fragen wir uns durch.
Französischtraining für umme mal wieder.

Unsere Unterkunft liegt auf einem Berg und sieht auf den ersten Blick aus wie ein kleiner Urwald. Irgendwo zwischen Bäumen und Sträuchern versteckt liegt eine Terrasse und dahinter erstreckt sich das Gebäude der Jugendherberge.

Das Schöne an Jugendherbergen ist diese riesige Vielfalt an Menschen, die man meistens Abends in der Gemeinschaftsküche trifft.
Bei einem Glas Wein werden dann Reisegeschichten ausgetauscht, neue Ziele besprochen und von neuen Touren geträumt.
Sprache, Alter, Herkunft… das alles spielt auf der Reise keine Rolle. Wir alle sind fremd, fern von der Heimat. Und genau deswegen sind wir alle gleich, treffen uns durch Zufall an einem Punkt für eine kurze Zeit, um dann wieder in alle Himmelsrichtungen aufzubrechen.
Was bleibt ist der gemeinsame Moment, eine kurze Verbindung, aus der jeder etwas mitnimmt.

Hier noch ein paar nächtliche Eindrücke von Nîmes:

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Gute Nacht,
Hannah

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