Das Passport-Dilemma oder unsere Zeit in Neuseeland

Lange war es hier sehr still. Ihr habt euch sicher gefragt, warum das so ist, denn eigentlich müssten wir ja schon seit zwei Wochen wieder hier im Lande sein. Nein, keine Panik! Wir sind nicht einfach ausgewandert und euch untreu geworden. Wir haben uns auch nicht getrennt und in den Redestreik getreten. Unser Flugzeug ist nicht abgestürzt und wir sind auch nicht verschollen irgendwo im Neuseeländischen Ozean. Uns geht es gut und wir befinden uns auf deutschem Boden. Ein kleiner Flashback: Wir sitzen neben unseren gepackten Rucksäcken, kribbelig und nervös. Immerhin liegen knapp 24 Stunden Flug vor uns. Noch während ich mir darüber Gedanken mache, was so ein langer Flug wohl mit dem menschlichen Organismus anstellt, klingelt es an der Tür. Rafis Mama bringt uns zum Flughafen.
Dort angekommen müssen wir dann erst einmal den richtigen Schalter finden, Thai Airways versteckt sich geschickt zwischen den Mengen an gelben Lufthansahäuschen. Schließlich liegen unsere Rucksäcke auf dem kleinen Kofferband, ich atme erleichtert auf: kein Übergewicht. Ein Glück, das hätte ganz schön was gekostet, denke ich mir noch während uns die Frau am Schalter mit einer Mischung aus Mitleid und etwas anderem, was ich nicht definieren kann, anschaut.
” Tut mir Leid, aber ihr Pass ist nicht mehr lange genug gültig.”
In Filmen wird man auf einen solchen Moment mit drohender, leiser Musik vorbereitet. Da weiß man als Zuschauer schon: jetzt passiert was. Wo ist diese Musik bitte im echten Leben?
Rafi und ich stehen einen Moment komplett rat- und wortlos da. Wir wissen gar nicht, wessen Pass eigentlich damit gemeint ist, in meinem Kopf blinkt ein knallrotes Warnsignal. Hat die Alte gerade ernsthaft gesagt, wir können nicht fliegen?
Dann setzt Schnappatmung ein, gefolgt von verzweifelten Diskussionen. Schließlich die riesige Erleichterung: wir können doch fliegen. Zwar nur nach Bangkok, denn da landen wir zwischen. Aber immerhin! Denn für Bangkok muss der Pass nur so lange gültig sein, solange man im Land ist.
Die Flüge werden umgebucht, das Gepäck verschwindet im schwarzen Schlund und der Puls geht von Raketenstart immerhin wieder zurück in den Marathon-Modus. Wie in Trance wandeln wir durch die Sicherheitskontrolle, die kleine Shopping-Straße und kommen pünktlich zum Boarding. Die ersten Fluggäste boarden schon als in blecherner Stimme unsere Namen ausgerufen werden.
Ein ganz blöder Fehler, wir können leider doch nicht einfach in Bangkok bleiben. Bürrokratie, unsere Taschen, dies das. Das Bullshit-Bingo geht in eine zweite Runde: es tut mir so leid für sie, sie können ja einfach morgen fliegen.

Danach passiert alles wie im Film. Meine Eltern sammeln uns wieder am Flughafen ein, wir fahren heim. Bestellen Burger. Gehen Schlafen. In unserem eigenen Bett. Nicht eingepfercht wie die Sardinen zwischen schwitzenden Mitreisenden tausende Kilometer über der Erde.

Long story short: wir konnten nicht fliegen. Und wir haben daraus vermutlich mehr gelernt, als jemals auf der ganzen Reise.
1. Mitarbeiter von THAI Airways haben  KEINE Ahnung, was die Einreisebestimmungen für THAIland sind. Am Schalter wurde uns ja gesagt, dass wir für Bangkok nur eine Gültigkeit des Passes von der Reisezeit selbst brauchen. Eigentlich aber muss er ein halbes Jahr länger gültig sein.

2. Einreisebestimmungen auswendig lernen und auf den Arm tättowieren lassen.

3. Jammern ist unnötig. Uns geht es gut, wir sind gesund und haben tolle Menschen in unserem Leben. Das ist das Einzige, was wirklich wichtig ist. Alles andere ist ein netter Bonus.

 

Wir sind dann stattdessen eine Woche in den Skiurlaub gefahren 😉 Für Österreich hat man zum Glück keinen Reisepass gebraucht.

 

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