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Das Abenteuer beginnt – Namibia Teil 2

Windhoek ist laut, groß, stickig, voll. Überall spielt Musik. Menschen sind auf den Straßen. Es gibt unglaublich viel Verkehr. Vor allem Chaos. Ich zeige meinen Eltern aber auch mein Windhoek. Die Orte, die mir in meiner Zeit am meisten Halt gegeben haben. Das Radiostudio, der Avis Damm. Das Warehousetheater, Arts & Craft. Und all die bunten Läden mit dem frischen Obst. Den Pancakes. Dem Gebäck, der Cadburry Schokolade und dem Guavensaft.

Ich weiß noch, wie ich mir vor vier Jahren gewünscht habe, meinen Eltern alles zu zeigen. All die Orte. Auch die Menschen, die mir hier einen solchen Halt gegeben haben. Wie schwierig ist es, das alles über Skype zu erklären.

Aber die Zeit rast und schon müssen wir uns wieder auf den Weg machen. Denn wir schicken uns selbst in die Wüste. Ab geht es nach Sossusvlei. Eine Salzpfanne mit in der Wüste. Umringt von roten, riesigen Dünen. Ein Unesco-Weltkulturerbe und ganz oben auf der Touristhotspotliste. Wer in Namibia ist, sollte hier einen Stopp machen. Finde ich. Es ist ein besonderer Ort, anders als alles, was man je gesehen hat. Ruhig, beeindruckend und einschüchternd. Irgendwas zwischen unerträglich heiß, dann windig und unfassbar kalt. Weil die Wüste gnadenlos ist. Nachts sinken die Temperaturen so stark, dass man glauben möchte, es wird nie wieder warm. Manchmal reichen keine zwei Jogginghosen, um die Kälte auszusperren. Und obwohl ich das weiß, bin ich wieder überrascht. Solange die Sonne am Himmel steht, ist es angenehm warm. Obwohl in Namibia noch Winter ist, kann man im T-Shirt rumlaufen. Frühlingstemperaturen würde man in Deutschland sagen. Aber mit dem Sonnenuntergang kommt die Kälte. Der Tiefpunkt ist um 5 Uhr. Wenn die Zähne von meinem Papa aufeinander schlagen, weil es wirklich verdammt kalt ist! Und wir alle froh sind, Skiunterwäsche dabei zu haben. Mitten in der Wüste. Mitten in Afrika.

 

Von der Wüste aus geht es weiter über Solitaire. Eine kleine Insel mitten im Nichts. Solitaire ist eine Raststelle irgendwo zwischen der Wüste und Swakopmund. Hier hält jeder zum Tanken, denn die Wege sind weit. Und es gibt eben nur die eine Tankstelle! Das klingt so unglaublich, dass man es selbst gesehen haben muss. Solitaire mit den alten Autowracks, den menschenhohen Kakteen und dem “besten Apfelkuchen Namibias- oder vielleicht auch der Welt”. Wirklich, kein Witz! Solitare ist berühmt für seinen Apfelkuchen. Und natürlich bestellen wir deshalb auch einen. Ja, verglichen mit unseren heimischen Apfelkuchen ist die Version in Solitaire nichts herausragendes. Aber stellt man sich mit seinem kleinen Teller nach draußen und schaut in die Ferne, dann weiß man, warum dieser Kuchen so besonders ist. Ich meine- Apfelkuchen mitten im Nirgendwo 😀 Wo gibt es das schon?

Das Schöne ist- in Namibia braucht man eigentlich kein Navi. Warum? Es geht sowieso nur gerade aus. Die Straße ist meistens Gravel. Viel Geholper, noch mehr Staub. Irgendwann sind alle weiß. Das Auto, die Kleidung. Auf allem liegt eine Schicht Gravelstaub. Nach Stunden des Fahrens kommen wir an unserem nächsten Stopp an. Rostock-Ritz. Das einzige Hotel mitten im Nirgendwo zwischen Solitaire und Swakop. Ihr merkt schon. Hier liegt fast alles irgendwo im Nirgendwo 😀

Das Rostock Ritz hat was von einer Star Wars Kulisse auf einem Marsplaneten. Kleine Hüttchen aus Stein mitten im weiten Nichts. Die Seele hat hier Platz zu atmen. Zu wandern. Wir laufen durch das Licht der untergehenden Sonne, ganz nah bei uns ein Oryx. Sonst nichts. In der Ferne ein paar Bergzebras, von denen man gerade so die Umrisse erkennen kann. Ganz viel Weite. Und mitten drin wir. Auf einmal ganz, ganz klein. Hier gibt es keinen Straßenlärm. Nur wir und laute Gedanken. Die langsam Platz machen für Durchatmen, ankommen und staunen.

Jetzt bist du dran. Atme durch. Nimm dir Zeit für dich. Egal wo du gerade bist. Weil das wichtig ist! Reise mit deinen Gedanken in die Ferne, lass dich treiben. Oder bleib hier ganz nah. Egal. Mach was für dich. Einfach, weil das gut und wichtig ist. Sich selbst bei all dem Lärm nicht zu vergessen.

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